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Vom 18. März bis 26. März 2006 fand die zentrale Veranstaltung zu ProChrist 2006 in der Olympiahalle in München statt. Die Erzdiözese München und Freising hat sich nach sorgfältiger Abwägung gegen eine Beteiligung entschieden (vgl. hierzu schon die Presseerklärung vom 14.04.2005). Nachfolgend wollen wir Informationen zu ProChrist
und zum evangelikalen Christentum weitergeben einschließlich Hinweise,
wo und wie Sie weitere Informationen zu ProChrist erhalten können.
Es sollen aber auch die Gründe für unsere Entscheidung, uns
nicht an der Aktion zu beteiligen, aufgezeigt werden. Axel Seegers
ProChrist – Evangelisierung
mit Eventcharakter ProChrist betont, nicht an eine bestimmte Kirche gebunden zu sein, und folgerichtig wird die Idee favorisiert, dass unterschiedlichste Gemeinden an einem Ort sich darauf verständigen, gemeinsam die Evangelisationsveranstaltung durchzuführen: „Gemeinden praktizieren die Gemeinschaft, die im Mitteilen und Teilnehmen besteht.“ Da ProChrist „Jesus zum Stadtgespräch“ machen möchte, hält man das Verlassen kirchlich angestammter Räume zumindest für bedenkenswert und erhofft sich eine größere Resonanz, wenn in Shoppingcentern oder anderen „modernen Marktplätzen“ das Evangelium verkündet wird. Die Evangelisation erhält so einen starken Eventcharakter. Zielgruppen bei ProChrist Für die Kinder gibt es ein eigenes „ProChrist für Kids“, das auf die Zielgruppe der 6-11-jährigen Schulkinder abzielt. Neben einer DVD mit passendem Programm für 1 – 2 Kindernachmittage und einer Musik-CD bildet den Höhepunkt eine Live-Übertragung von ca. 30 Minuten aus der Münchner Olympiahalle. Jugendliche möchte man mit dem Projekt „Jesus House“ erreichen. Mit einem an die Zielgruppe angepassten Programm soll zeitlich versetzt „die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus und die Förderung des christlichen Glaubens in Deutschland und Europa" vorangetrieben werden. Themenschwerpunkt und Organisation Die Teilnahme bei ProChrist geht mit der Erwartung einher, dass die Veranstaltungsreihe nicht losgelöst von der normalen, alltäglichen Seelsorge- und Gemeindearbeit stattfinden kann; vielmehr wird eine sinnvolle Integration erwartet. So heißt es in der Verpflichtungserklärung:
Ökumene oder Überkonfessionelles Angebot? Es macht daher Sinn, auf weitere theologische Unterschiede zwischen der katholischen Kirche und der Position von ProChrist mit den daran beteiligten unterschiedlichen christlichen Gemeinden einzugehen:
Aus katholischer Sicht ist gegen dieses Konzept einzuwenden, dass Verkündigung des Evangeliums und Ruf in die Nachfolge Jesu Christi nie ohne konkreten Bezug zur Kirche möglich ist. Dem Ruf in die Nachfolge Christi folgen geht notwendig einher mit der Eingliederung in die Gemeinschaft der Glaubenden und mit der Feier der Sakramente. Die Frage nach dem, was Kirche ist, kann daher im Gespräch mit Menschen, die am Glauben interessiert sind, aber noch keiner kirchlichen Gemeinschaft angehören, nicht ausgeblendet werden. Darüber hinaus ist das Verhältnis der beteiligten Gemeinden zur katholischen Kirche oft zwiespältig. Zum einen wird die katholische Kirche mit ihren Sakramenten und ihrem Amtsverständnis, aber auch mit ihrer Deutung der Tradition abgelehnt und nicht selten als vom reinen Wort Gottes abgefallen bezichtigt. Zum anderen wird betont, dass man mit den einzelnen Katholiken sehr wohl beten und gemeinsam die Bibel lesen kann. Vor allem deshalb hat sich die Erzdiözese gegen eine Beteiligung an ProChrist ausgesprochen. Alle Verkündigung ist aber nicht nur an eine konkrete Glaubensgemeinschaft gebunden. Auch die unterschiedlichen theologischen Gewichtungen und Herangehensweisen (z.B. an die Bibel oder an Jesus Christus) und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für das Gottesbild, das Menschenbild oder das Weltbild prägen entscheidend die Art und Weise der Verkündigung: Bibelverständnis: Evangelikale Christen sehen zwar die Bibel als Gottes Wort, lösen sie aber aus der lebendigen Tradition, Liturgie und lehramtlichen Verkündigung. Sie gehen von der Verbalinspiration aus und stehen deshalb der historisch-kritischen Exegese skeptisch bis ablehnend gegenüber. Christlicher Glaube ist nach katholischem Verständnis keine Buchstabenreligion, sondern die Religion des Wortes, das Mensch geworden ist und in Wort und Tat in der Gemeinschaft der Kirche lebt. Sündenverständnis: Die Überzeugung von der grundsätzlichen Sündhaftigkeit und Schuld jedes Menschen ist im evangelikalen Christentum ausgeprägt und erfährt eine Betonung, die für den katholischen Glauben nicht nachvollziehbar ist. Im Gegensatz zu den medial aufgepeppten Veranstaltungen ist die evangelikale Verkündigung bestimmt von der Sündenverfallenheit jedes Menschen, die Gottes Zorn und Verdammnis nach sich zieht. Soteriologie: Die Erlösung aus der Sündhaftigkeit kann nach diesem Verständnis allein durch einen Gnadenakt Gottes erfolgen, der ohne die Vermittlung der Kirche geschieht. Daher ist die evangelikale Theologie stark ausgerichtet auf die persönliche Glaubensentscheidung und der vorausgehenden, individuell vollzogenen Bekehrung, bei der die Gemeinschaft der Glaubendenen eine unbedeutende Rolle spielt. Für das persönliche Glaubensleben braucht es die Gemeinschaft der Glaubenden nur in einem unterstützten Sinn. Die Taufe im sakramentalen Verständnis, vor allem die Taufe als Kind, wird deshalb kontrovers gesehen. Mission: Evangelikale Christen sehen es nicht nur als wichtig an, ihren Glauben gegenüber Nicht-Christen zu bezeugen, sondern auch gegenüber nicht-evangelikalen Christen. Deshalb richtet sich diese Evangelisierung auch an katholische Christen, wobei hier das Spektrum von guten persönlichen Gesprächen bis hin zur offenen Abwerbung reicht. Absolutheitsanspruch: Andere Religionen
werden als Irrwege abgelehnt. Nur das klare Bekenntnis und die eindeutige
Hinwendung zu Jesus Christus sind unbedingte Vorbedingung für eine
Erlösung. Weltverständnis: Aufgrund des Absolutheitsanspruches und des oftmals unkritischen Bibelverständnisses mündet die evangelikale Theologie in einen Dualismus, der Welt und Zeitgeist abfällig-kritisch bewertet. Obschon Evangelikale – im Vergleich zur katholischen Kirche – sehr offen und professionell die technischen Errungenschaften für sich und ihr Anliegen der Evangelisation zu nutzen wissen, sind sie geneigt, naturwissenschaftliche Erkenntnisse aufgrund ihres Bibelverständnisses abzulehnen, da Widersprüche vermutet werden. Natürlich kommen bei ProChrist und den beteiligten Gemeinden nicht alle hier aufgelisteten Aspekte gleichermaßen zum Tragen. Allerdings muss erinnert werden, dass sie die Grundlage bilden für Grund und Ziel von ProChrist. Schließlich ist zu bedenken, dass ProChrist darauf abzielt, verschiedenste Gemeinden zusammen zu bringen; Gemeinden, die zur evangelisch-lutherischen Landeskirche gehören genauso wie Gemeinden, die zum größten Teil aus dem evangelikalen Spektrum kommen und mehr oder weniger fundamentalistische Positionen vertreten. Ein isoliertes Bekenntnis zu Jesus Christus (nach dem Motto „Wir glauben doch alle an Jesus als unseren Herrn und Erlöser“) reicht nicht aus. Eine qualifizierte Betrachtung von Theologie und Bibel, aber auch hinsichtlich der sich daraus ergebenen Folgen für das Gottes-, Welt- und Menschenbild ist unabdingbar!
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